Schnitzwerkzeug

Schnitzwerkzeug

Schnitzwerkzeug - pefekte Schärfe für ein gutes Ergebnis

Unter "Schnitzen" versteht man die Bearbeitung eines Werkstückes aus Holz oder anderen Materialien, wie Elfenbein oder Speckstein, mit bestimmten Schnitzwerkzeugen zum Erzielen einer gewünschten Form. Die Formgebung erfolgt im Unterschied zum Modellieren nicht durch Verformung, sondern durch eine schrittweise Materialwegnahme.

Die dazu notwendigen Schnitzwerkzeuge werden je nach Ausführung als Schnitzmesser, Balleisen, Flacheisen, Hohleisen und Gaissfüsse bezeichnet. Im Unterschied zum Stemmeisen werden diese Schnitzwerkzeuge normalerweise nur mit der Hand geführt, der Einsatz eines Klüpfels ist nur bei Großplastiken oder bisweilen bei besonders hartem Holz notwendig.

Gute Schnitzwerkzeuge werden aus Werkzeugstahl mit einem hohen Kohlenstoffgehalt hergestellt, was eine lange Standzeit garantiert. Billigprodukte vom Discounter oder Baumarkt verfügen meist nicht über die wünschenswerte Qualität und Verarbeitung, um die für das erfolgreiche Schnitzen erforderliche extreme Schärfe und Standzeit zu besitzen. Die Qualität eines Schnitzwerkzeugs kann man prüfen, indem man die Klinge an eine sich schnell drehende Schleifscheibe hält. Wenn ein starker Funkenregen entsteht, handelt es sich um einen guten, hoch legierten Stahl. Fallen nur wenige Funken, dann ist der Stahl zu niedrig legiert und das Schnitzwerkzeug unbrauchbar.

Der Aufbau eines Schnitzwerkzeugs ähnelt dem eines Stemmeisens, auch hier führt die Angel der Klinge durch eine das hölzerne Heft schützende Krone. Die Angel sollte viereckig sein, um ein Verdrehen im Heft zu verhindern. Die Klinge selbst endet in der extra gehärteten und geschliffenen Fase, welche in den verschiedensten Formen ausgeführt werden kann. Eingeteilt werden die Schnitzwerkzeuge nach ihrem "Stich", also dem Eindruck, den das Schnitzwerkzeug bei senkrechtem Eindrücken ins Holz erzeugt. Auch heute noch wird oft nach der so genannten Sheffield-Liste kategorisiert, die ursprünglich nur für britische Schnitzwerkzeuge galt. Die einzelnen Formen werden numeriert, von "1! für ein flaches Balleisen bis hin zu "46" für Gaissfüsse mit einem Keilwinkel von 90°.

Voraussetzung für eine gute Arbeit ist bei Schnitzwerkzeugen in erster Linie die Schärfe, die für einen sauberen Schnitt sorgt und den Kraftaufwand minimiert. Die Schnitzwerkzeuge müssen deshalb immer wieder geschärft werden, was entweder an einer rotierenden Schleifscheibe oder von Hand erfolgen kann. Beim Schleifen am elektrischen Schleifbock ist allerdings darauf zu achten, dass der Druck nicht zu hoch ist und das Schnitzwerkzeug immer nur kurze Zeit ohne Unterbrechung geschliffen werden darf, um eine zu starke Hitzeentwicklung zu vermeiden. Ist das Schnitzwerkzeug nämlich erst einmal blau angelaufen, ist es ausgeglüht und hat seine Härte verloren, wodurch es unbrauchbar geworden ist. Dies kann man auch verhindern, indem man das Schleifwerkzeug zwischendurch immer wieder in kaltes Wasser eintaucht. Für das ungefährlichere Schleifen von Hand benötigt man einen Schleifstein, am besten einen aus zwei verschieden gekörnten Hälften bestehenden so genannten "Belgischen Block", einen Abziehstein und Abziehöl. Der zusammen mit dem Abziehöl verwendete Abziehstein dient zum letzten Feinschliff des Schnitzwerkzeugs, das diesem erst die vollkommene Schärfe verleiht.

Ebenso wichtig ist der richtige Scheidenwinkel des Schnitzwerkzeugs: je flacher die Fase ist, desto glatter und leichter wird zwar der Schnitt, desto schneller geht andererseits aber die Schärfe verloren. Der richtige Winkel sorgt also sowohl für ein möglichst leichtes Arbeiten als auch eine möglichst hohe Standzeit der Klinge. Deshalb sollen Schnitzwerkzeuge, mit welchen Hartholz bearbeitet wird, einen stumpferen Winkel von etwa 30° aufweisen, während zur Arbeit mit weicherem Holz ein flacherer Winkel von etwa 20° bis 25° besser ist. Es versteht sich übrigens von selbst, dass die empfindlichen Klingen der Schnitzwerkzeuge besonders geschützt aufzubewahren sind, damit sie nicht mit anderen Metallteilen in Berührung kommen und dadurch Schaden nehmen!

Bewährte Schnitzwerkzeuge stammen von Markenherstellern wie dem deutschen Hersteller Kirschen, der Schweizer Firma Pfeil, dem österreichischen Hersteller Stubai, dem britischen Produzenten Ashley oder dem amerikanischen Hersteller Stanley. Die Erzeugnisse der genannten Firmen sind zwar vergleichsweise teuer, garantieren aber sehr gute Qualität für eine lange Zeit.